Wenn das Thermometer steigt, tauschen wir den heißen Stadteasphalt lieber gegen einen erfrischenden Sprung ins Grüne ein. Manchmal muss man gar nicht weit reisen, um kristallklares Wasser und ein sonnenverwöhntes Inselgefühl zu genießen.
Gleich hinter der Stadtgrenze liegen die Vinkeveense Plassen, wo Hunderte von privaten Inseln und aufgeschüttete Sandstrände auf dich warten. Für alle, die diesen Sommer gerne draußen in wunderschönem Naturwasser schwimmen möchten, ist dies der absolute Hotspot der Region. Nur ist diese idyllische Kulisse nicht zufällig so entstanden.
Wie getrockneter Torf das ikonische Insel-Labyrinth schuf

Das einzigartige Muster der Vinkeveense Plassen ist das Ergebnis eines jahrhundertealten Kampfes gegen das feuchte Land. Im zwölften Jahrhundert begannen die Bewohner mit der Urbarmachung des wilden Torfmoors. Ausgegrabene Kanäle leiteten das Polderwasser ab, woraufhin sich der Boden langsam absetzte.
Im 17. Jahrhundert veränderte sich die Region erst wirklich grundlegend. Die schnell wachsende Stadt Amsterdam brauchte nämlich dringend Brennstoff für ihre Öfen. Arbeiter stachen den Torf von Hand aus und legten den nassen Torf zum Trocknen auf schmale Landstreifen: die berühmten „Legakkers“.
Wo das Moor verschwand, blieben tiefe Löcher zurück. Durch anhaltende Stürme und die Abtragung der Ufer wuchsen diese Rinnen zu riesigen Seen heran. So verwandelte sich das Labyrinth aus trockenen Feldern in das heutige ikonische Inselreich.
Ein fünfzig Meter tiefes Geheimnis unter dem kristallklaren Wasser
Wer an einem sonnigen Tag aufs Polderwasser hinausfährt, treibt über einer riesigen Unterwasserwelt. Der Grund fällt an manchen Stellen unerwartet steil ab, bis zu fünfzig Meter tief. Diese Schlucht entstand im letzten Jahrhundert, als Sandbagger massenhaft Boden für den Bau der A2 und den Bau des Amsterdamer Bijlmer abtrugen.
Um das empfindliche Inselreich vor dem Wellengang dieser tiefen Seen zu schützen, wurden zwölf Sandinseln aufgeschüttet. Dieser reine Sandboden filtert das Polderwasser auf natürliche Weise. Das Ergebnis ist so außergewöhnlich klar, dass Schwimmer und Taucher regelmäßig bis weit über zwanzig Meter weit sehen können.
Vom pulsierenden Inselreich zum geschützten Vogelparadies im Polder

Wer das pulsierende Inselreich hinter sich lässt, stößt auf eine völlig andere Welt. Direkt neben den belebten Schifffahrtsrouten liegen atemberaubende Naturschutzgebiete wie Botshol und der Waverhoek. In diesen geschützten „Stillepoldern“ sind Motorboote verboten und die raue Poldernatur hat freie Hand.
Das sumpfige Moorgebiet bildet einen idealen Zufluchtsort für seltene Vögel. Zwischen dem Schilf brüten der Silberreiher, der Purpurreiher und die scheue Rohrdommel. Wanderer und Kanufahrer entdecken hier eine jahrhundertealte Polderlandschaft, in der der Wind durch das Schilf rauscht und die Stille nur vom Ruf der vielen Sumpfvögel unterbrochen wird.
So erlebst du die Vinkeveense Plassen am besten

Aufs Wasser zu gehen ist die einzige Möglichkeit, die Gegend wirklich zu erleben. Mit einem leisen Elektroboot navigierst du ganz einfach durch das Labyrinth aus schmalen Gräben, weit weg vom hektischen Straßenverkehr.
Die zwölf aufgeschütteten Sandinseln sind öffentlich zugänglich und bilden die wichtigsten Orte für einen Zwischenstopp. Dank der flachen Sandstrände kannst du direkt ins saubere Wasser steigen. Wer dem Trubel an den beliebten Stränden lieber aus dem Weg geht, fährt weiter zu den ruhigen Rändern des Polders, wo die Natur die Oberhand hat.