Gelderland ist eine der vielseitigsten Provinzen der Niederlande. Die Landschaft wechselt dort zwischen der weitläufigen Veluwe, historischen Schlössern und klaren, fast tropischen Seen.
Dennoch birgt die Provinz auch einen besonderen historischen Rekord. Versteckt im Wald liegt Staverden, ein märchenhaftes Burgdorf mit nur 30 Einwohnern, das bereits seit 1298 offizielle Stadtrechte besitzt und damit die allerkleinste Stadt unseres Landes ist.
Wie Staverden zur kleinsten Stadt der Niederlande wurde

Im Jahr 1298 träumte Graf Reinoud I. von Gelre von einer mächtigen mittelalterlichen Stadt, die tief in den Wäldern der Veluwe entstehen sollte. Stolz verlieh er Staverden das Stadtrecht, doch die ehrgeizigen Pläne gerieten schon bald ins Stocken. Das erwartete Wachstum blieb aus, und aus dem Traum wurde ein stilles Burgdorf.
Dennoch sind die auf Pergament festgehaltenen Rechte nie verschwunden. Während das malerische Bronkhorst oft den Titel der kleinsten Stadt für sich beansprucht, besitzt Staverden formal gesehen die echten Urkunden. Mit kaum dreißig Einwohnern wirkt dieser Ort heute seltsam und bezaubernd zugleich.
Schloss Staverden und eine jahrhundertealte fürstliche Tradition

Das Schloss Staverden ist nicht umsonst als „Weiße Pfauenburg“ bekannt. Seit dem 14. Jahrhundert mussten die Bewohner des Anwesens weiße Pfauen versorgen. Die imposanten Federn dienten im Mittelalter als Verzierung auf dem Kampfhelm des Herzogs von Gelderland.
Heutzutage ist das Anwesen für Wanderer frei zugänglich, die die magische Atmosphäre selbst erleben möchten. Die historische Lehnspflicht hat sich zu einer ehrenvollen gelderländischen Tradition gewandelt, bei der die gesammelten Pfauenfedern alle zwei Jahre an Personen verliehen werden, die sich um Kultur und Naturschutz verdient gemacht haben.
Die düstere Legende und die staatlich geschützten Denkmäler von Staverden

Neben fürstlicher Pracht hat das Schlossanwesen auch eine dunkle Schattenseite. Einer jahrhundertealten Volkssage zufolge wandert der Geist von Leonora van Barchem, besser bekannt als die Schwarze Frau von Staverden, noch immer auf dem Gelände umher. Sie starb im Mittelalter an gebrochenem Herzen, nachdem sich ihre Liebe als unmöglich erwiesen hatte.
Ihre melancholische Geschichte bildet einen besonderen Kontrast zu der idyllischen Kulisse. Mit nicht weniger als 45 staatlich geschützten Denkmälern, darunter eine historische Wassermühle und charakteristische Bauernhöfe, bietet das denkmalgeschützte Dorfbild von Staverden eine bezaubernde Mischung aus Geschichte, Natur und Volkskultur.