Wer die Postjeskade in De Baarsjes entlangläuft, sieht auf den ersten Blick nur ein winziges Backsteinhäuschen von kaum sechs Quadratmetern. Nachdem der meterhohe Efeu nach Jahren entfernt wurde, zeigt sich jedoch, dass sich unter dem Bürgersteig ein kompletter Atombunker aus dem Kalten Krieg verbirgt.
Der 55 Quadratmeter große unterirdische Komplex steht ab sofort für 295.000 € (Kaufnebenkosten zu Lasten des Käufers) zum Verkauf. Das ist nur ein Bruchteil des früheren Angebotspreises von über einer Million Euro im Jahr 2022. Interessenten sollten schnell handeln: Die öffentliche Ausschreibung endet am Freitag, den 6. November, um 17:00 Uhr.
Abwasserpumpwerk 1940, Atombunker 1960

Amsterdam dehnt sich 1940 kräftig nach Westen aus. Um das gesamte Abwasser aus De Baarsjes abzuleiten, baut die Stadt an der Postjeskade eine tiefliegende Abwasserpumpstation aus Stahlbeton. Das Bauwerk verschwindet fast vollständig unter dem Bürgersteig und dient jahrelang ausschließlich als Pumpstation.
1959 macht sich die Angst vor einem Atomkrieg breit und die Gemeinde sucht dringend nach Schutzräumen. Das Bauamt baut die Pumpstation 1960 zu einem bombensicheren Bunker für achtzig Anwohner um. Die Behörde gießt 30 Zentimeter dicke Betonwände, bringt verriegelbare Stahltüren in der Luftschleuse an und installiert unter dem Boden einen Sandfilter für den Zivilschutz.
Drei Stockwerke unter dem Amsterdamer Bürgersteig

Oberirdisch beginnt der Rundgang in einem winzigen, sechs Quadratmeter großen Eingangshäuschen aus Backstein. Sobald du die schwere Außentür hinter dir schließt, gelangst du über eine Luftschleuse direkt auf eine steile Treppe, die nach unten führt. Hier öffnet sich der ehemalige Schutzkeller mit 27 Quadratmetern, in dem achtzig Anwohner Schulter an Schulter überleben mussten. Die dreißig Zentimeter dicken Betonwände halten den Straßenlärm von Amsterdam komplett draußen.
Wer noch eine Etage tiefer hinabsteigt, stößt auf den tiefsten Punkt des Komplexes: den alten Pumpenkeller mit 18 Quadratmetern. In diesem rauen, industriellen Raum liefen einst die schweren Abwasserpumpen der Gemeinde. Insgesamt umfasst das Gebäude 55 Quadratmeter Nutzfläche, verteilt auf drei Ebenen, inklusive Stromanschluss, fließendem Wasser, Internet und einem eigenen Parkplatz auf dem Dach.
Preissturz um acht Tonnen, aber Wohnen bleibt strengstens verboten

Der Preis des Komplexes schwankt in den letzten Jahren stark. Die Gemeinde verkaufte das Anwesen 2011 für nur 15.000 €. Elf Jahre später wagte der Eigentümer ein Glücksspiel mit einem Angebotspreis von über 1,1 Millionen Euro, fand aber keinen Käufer. Jetzt senkt der Verkäufer den Richtpreis drastisch auf 295.000 € zzgl. Käuferkosten, inklusive eines abgelösten Erbbaurechts bis zum Jahr 2098.
Hinter diesem Schnäppchen am Wasser verbirgt sich ein hartes bürokratisches Hindernis. Das Grundstück ist im Bebauungsplan immer noch offiziell als „Verkehr“ ausgewiesen. Die Stadt verbietet daher entschieden das Schlafen oder dauerhafte Wohnen unter der Erde. Wer die Kellerräume zu einem Atelier, einem Weinkeller oder einem Büro umbauen will, muss erst ein zähes Genehmigungsverfahren bei der Stadt durchlaufen. Außerdem tickt die Uhr: Die öffentliche Ausschreibung endet am Freitag, den 6. November, um 17:00 Uhr.