Die Stille rund um die Wohnungskrise ist endgültig vorbei. Während beleuchtete Zelte im Westerpark die harte Realität der steigenden Obdachlosigkeit unterstreichen, steigen die Mieten auf dem freien Markt auf unerschwingliche Höhen. Am kommenden Samstag um 14:00 Uhr versammeln sich Tausende Betroffene auf dem Dam zu einer Massenkundgebung: Wohnen muss wieder ein Menschenrecht werden.
Der Hintergrund des Wohnprotestes

Der Protest auf dem Dam kommt nicht aus heiterem Himmel. Diese Woche standen im Westerpark über hundert beleuchtete Zelte, um auf den zunehmenden Druck auf dem Wohnungsmarkt aufmerksam zu machen. Die Initiative markierte den Start einer Aktionswoche rund um den Welttag der Obdachlosen, bei der die Folgen der Wohnungsknappheit für eine breite Gruppe von Amsterdamer*innen sichtbar gemacht wurden – von Erstkäufer*innen bis hin zu Alleinstehenden.
In Anlehnung an ähnliche Initiativen in anderen europäischen Städten, wie zum Beispiel Madrid, kommen Wohnungssuchende und Mieter am Samstag auf dem Dam zusammen. Neben dem Setzen eines gesellschaftlichen Signals steht der Tag ganz im Zeichen der Information und kostenlosen Unterstützung: Besucher können sich vor Ort rechtlich in Mietfragen beraten lassen und praktische Hilfe bei ihrer Wohnsituation erhalten.
Eine unerschwingliche Grenze für die Stadt

Neue Zahlen zum dritten Quartal legen die harte Realität des Amsterdamer Wohnungsmarktes offen. Die durchschnittliche Miete im freien Sektor ist auf 1.914 € pro Monat gestiegen. Da Vermieter fast ausnahmslos ein Bruttomonatseinkommen in Höhe des dreifachen Mietpreises verlangen, muss ein Wohnungssuchender mittlerweile mindestens 5.742 € brutto pro Monat verdienen, um überhaupt in Frage zu kommen.
Für systemrelevante Berufe wie Lehrer, Pflegekräfte und Alleinstehende ist das eine fast unlösbare Aufgabe. Inzwischen ist das Angebot im erschwinglicheren Segment um gut 23 Prozent geschrumpft. Ohne Spitzenverdienst fallen Amsterdamer massenhaft aus dem Rahmen, was genau der Grund ist, warum die kostenlose Rechtsberatung auf dem Dam am Samstag so dringend gebraucht wird.
Kostenlose Beratung und Informationen auf dem Dam
Am kommenden Samstag um 14:00 Uhr versammelt sich die Koalition „Woonopstand“ auf dem Dam. Im Mittelpunkt dieser Kundgebung stehen die Wiederbelebung des sozialen Wohnungsbaus, die Senkung der Mieten und die Abschaffung befristeter Mietverträge. Das Ziel ist es, das Recht auf Wohnen wieder als Grundrecht für alle zu verankern.
Für Amsterdamer, die auf dem aktuellen Markt in Schwierigkeiten stecken, gibt es vor Ort direkte Unterstützung. Die Mietervereinigung !WOON ist mit einem mobilen Infostand vertreten. Wer Fragen zu überhöhten Mieten, unklaren Nebenkosten oder rechtlichen Unklarheiten bezüglich eines Vertrags hat, kann sich dort kostenlos professionell beraten und begleiten lassen.