Napoleon und seine Truppen hinterließen an mehreren Orten in den Niederlanden ihre Spuren – von der monumentalen Pyramide von Austerlitz, die seine Soldaten auf dem Utrechtse Heuvelrug errichteten, bis hin zu den Sälen des Palastes Het Loo. Doch während Austerlitz eine militärische Ehrung war, wurde der Palast Het Loo von seinem Bruder Ludwig Napoleon in einen persönlichen königlichen Sitz umgestaltet.
Dennoch hatte dieses „Versailles des Nordens“ eine dunkle Kehrseite voller Zerstörung und Machtkämpfe. Hinter der strengen Symmetrie verbirgt sich eine Geschichte von geplünderten Sälen, königlicher Eifersucht und einer französischen Besatzungsmacht, die das jahrhundertealte Erbe der Oranier auslöschen wollte.
Das „Versailles des Nordens“

Als Statthalter Wilhelm III. den Palast errichten ließ, wollte er den französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. übertrumpfen. Der Komplex sollte die absolute Macht der Oranier ausstrahlen und wurde schon bald als „Versailles des Nordens“ bezeichnet. Der Ehrgeiz ging extrem weit: Wilhelm III. verlangte von seinen Ingenieuren, dass die barocken Gartenbrunnen meterweit höher spritzen sollten als die weltberühmten Wasserspiele in Paris.
Diese königliche Vorherrschaft hielt jedoch nicht lange an, als die Franzosen an die Macht kamen und das Ruder übernahmen. Der ikonische Palast wurde zu einem Krankenhaus, die Einrichtung wurde versteigert und die berühmten Gärten verschwanden unter einer Schicht Gras.
Die französische Besatzung und die Spuren Napoleons

Nach dem Einmarsch der Franzosen im Jahr 1795 verwandelte sich der königliche Stolz in ein trostloses Feldlazarett. Die kostbare Einrichtung der Oranier wurde versteigert und unzählige Kunstwerke verschwanden in Richtung Paris.
Als Ludwig Napoleon 1806 den Thron bestieg, beanspruchte er das Anwesen als Sommerresidenz. Er bezeichnete den vernachlässigten Palast gnadenlos als „einen Garten ohne Palast“. Der kaiserliche Bruder ließ die Säle verbarrikadieren und die weltberühmten Barockgärten unter einer dicken Grasschicht begraben – eine der einschneidendsten Spuren, die Frankreich auf niederländischem Boden hinterlassen hat.
Wilhelminas Privatzug und die verborgenen Palastgeheimnisse
Nach dem Abzug der Franzosen forderten die Oranier ihr beschädigtes Anwesen zurück. König Wilhelm III. ging sogar so weit, dass er eine eigene Eisenbahnlinie anlegen ließ: Die „Loolijn“ hielt buchstäblich auf dem Schlossgelände, sodass die königliche Familie in absolutem Luxus mit dem Privatzug anreisen konnte.
Für Königin Wilhelmina wurde das Schloss zu ihrem ultimativen Rückzugsort. Sie lebte dort bis zu ihrem Tod im Jahr 1962. Jahrzehnte später wurde der französische Rasen abgetragen, und die berühmten Barockgärten von Wilhelm III. erhielten endlich ihre ursprüngliche Pracht aus dem 17. Jahrhundert zurück.

Praktische Infos:
- Adresse: Koninklijk Park 16, 7315 JA Apeldoorn
- Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 17:00 Uhr (montags geschlossen)
- Preise: 0 € (Kinder bis 3 Jahre) bis 21 € (Erwachsene)
- Öffentliche Verkehrsmittel: Vom Bahnhof Apeldoorn nimmst du den Bus 102 oder 112 direkt zur Haltestelle Paleis Het Loo