Bei niederländischen Festungsstädten denkt man sofort an bekannte Klassiker wie Naarden oder Gorinchem. Doch 2,5 Autostunden von Amsterdam entfernt, versteckt in der Landschaft von Groningen, verbirgt sich eine Grenzfestung, die eine Klasse für sich ist.
Während andere Festungen später in große Verteidigungsanlagen des 19. Jahrhunderts wie die Neue Holländische Wasserlinie integriert wurden, blieb dies die einzige Festung der alten Linie, die schweren Belagerungen standhielt, ohne jemals zu fallen.
Das ist die Festung Bourtange. Wilhelm von Oranien ließ sie auf einem schmalen Sandrücken (tange) errichten, um die spanischen Versorgungslinien nach Groningen vollständig abzuschneiden. Diese strategische Lage bildete die Grundlage für eine uneinnehmbare Festung voller ausgeklügelter Verteidigungsgeheimnisse und einer ruhmreichen Geschichte.
Die uneinnehmbare Festung von 1580

Wilhelm von Oranien ließ die Sternfestung auf einem schmalen Sandrücken errichten: dem einzigen trockenen Durchgang durch das undurchdringliche Bourtanger-Sumpfgebiet. Dadurch wurde die spanische Versorgungsroute nach Groningen vollständig blockiert.
Dass die Festung Bourtange uneinnehmbar war, zeigte sich 1593. Als 3.000 spanische Soldaten begannen, Schützengräben auszuheben, füllten sich diese sofort mit aufsprudelndem Grundwasser. Ohne Deckung in dem sumpfigen Moor waren die Truppen ein leichtes Ziel, woraufhin sich die Spanier endgültig zurückzogen.
Das Bestechungsangebot von 1672

Im Katastrophenjahr 1672 wollte der Bischof von Münster („Bommen Berend“) den strategisch wichtigen Sumpfpass erobern. Als sein Angriff ins Stocken geriet, bot er Hauptmann Prott ein Vermögen von 200.000 Gulden an, damit dieser die Festungstore kampflos öffnete.
Prott lehnte die Bestechung entschieden mit der legendären Antwort ab: „Ihr könnt 200.000 Kugeln haben!“ Die Festung hielt stand und schaffte es, die Übermacht endgültig zu vertreiben.
Geniale Bautricks und geheime Deiche

Hinter den roten Zugbrücken der Sternfestung verbergen sich geniale militärische Baukunststücke. Das Pulvermagazin aus dem Jahr 1704 wurde mit einem bewusst losgelegten Dach gebaut. Bei einer möglichen Explosion würde das Dach sofort in die Luft fliegen, wodurch die dicken Festungsmauern und die umliegenden Häuser völlig verschont blieben.
Außerdem errichteten die Bauherren den cleveren Rijsdam im kleinen Fluss Ruiten Aa. Damit konnte das umliegende Sumpfgebiet bei drohender Gefahr innerhalb weniger Stunden kontrolliert unter Wasser gesetzt werden, was die Festung völlig unzugänglich machte.
Dein Besuch in der Festung Bourtange

🚆 Mit öffentlichen Verkehrsmitteln nimmst du den Zug bis zum Bahnhof Winschoten und fährst dann mit dem Nahverkehrsbus 12 bis zur Haltestelle „Bourtange“ weiter.
🚗 Kommst du mit dem Auto? Folge der A7 in Richtung Deutschland und nimm die Ausfahrt 48 (Winschoten) in Richtung Bourtange.
📍 Willem Lodewijkstraat 33, 9545 PA Bourtange
🗓️ Montag bis Sonntag (10:00 – 17:00 Uhr)
⏳ 2 – 3 Stunden
💵 Die Festung ist frei zugänglich (Kombiticket für Museen: 9,50 €)